» Home

» Die Ausstellung

» Irdenware

» Entsorgung

» Haus

» Kacheln

» Tafel

» Gesundheit & Aberglaube

» Kindheit

» Miniaturgefäße

» Murmeln

» Zeit

» Downloads

» Links

» Impressum

Sonnenuhr und Monduhr

Funktionsweise

 

Die Ausgrabung zweier Kloaken auf dem Grundstück „Bei der Johanniskirche“  beförderte einen kleinen flachovalen Gegenstand aus Elfenbein zurück ans Tageslicht.

Bei genauerer Betrachtung zeigte sich, dass es sich um den oberen Teil einer Klappsonnen- und Monduhr handelt.

Die Stundenlinien verlaufen in einem Abstand von je 15° zueinander. An diesen Linien sind noch die  Zahlen 8,9,10,11,12,1,2,3,4 und 5 zu erkennen. Die Stelle an der eine 7 anzunehmen ist zu schlecht erhalten. Zwischen den Zahlen bzw. den Linien sind Punkte, diese markieren halbe Stunden. Die Uhr konnte also die Zeit zwischen 7 und 17.00 Uhr anzeigen.

Die Zeit wurde abgelesen, indem man die Uhr so ausrichtete, dass die  Senkrechte Linie der 12 nach Norden zeigte, der Schatten des Polfadens zeigte dann die Zeit.

 

Monduhr

 

An der Außenseite erkennt man von außen nach innen zwei Kreislinien,an denen die Zahlen von 1 bis 29 liefen. Es folgen wieder zwei Kreislinien, an dessen Innenseite sich die Zahlen von 1 bis 12 und dann wieder zurück bis zur 1 befunden haben. Darauf folgt ein einfacher Kreis. Innerhalb dieses Kreises war mit großer Wahrscheinlichkeit einmal eine drehbare Messingscheibe mit Zeiger angebracht, die ebenfalls eine Skala von 1 bis 12 und wieder runter bis zur 1 trug.

Um die Zeit mit Hilfe der Monduhr zu bestimmen, wurde zuerst die bewegliche Skala auf die Anzahl der Tage, die seit dem letzten Neumond vergangen waren, eingestellt. Dann wurde die Uhr auf den kleinen Bären und den Polarstern ausgerichtet und der Wert abgelesen. Nun standen sich die Mondstunden und die tatsächlichen Nachtstunden auf der Skala gegenüber und konnten abgelesen werden.

 

Vergleichbare Uhren

 

Ovale Taschensonnenuhren sind relativ selten angefertigt worden.

Eine gut erhaltene Sonnenuhr, die der aus Lüneburg ähnlich ist, befindet sich in der Sammlung Hülsmann in Bielefeld. Das Exemplar ist ebenfalls oval und besitzt auch eine Monduhr. Sie besteht aus Elfenbein auf einem Holzkern.

Anzumerken ist hier außerdem, dass der Hersteller bekannt ist. Die Uhr wurde von Paulus Reinmann(1557-1609) hergestellt. Er war wahrscheinlich der bedeutendste Kompassmacher Nürnbergs um 1600 und der Sohn des Hieronimus Reinmann, dessen Meistermarke, die Krone, auch von ihm geführt wurde.

Weitere vergleichbare Funde sind bekannt. Zwei Funde aus Münster und Göttingen sind mit der Lüneburger Sonnenuhr vergleichbar. Der Sonnenuhr aus Münster fehlen lediglich die Verzierungen auf der Innenseite. Ihre Außenseite ist nicht graviert und zur Beschriftung wählte man hier lateinische Zahlen. Die Göttinger Sonnenuhr ist ebenfalls verziert und mit arabischen Ziffern beschriftet.

 

Der Bürger und die Zeit

 

Klappsonnenuhren wurden vom ausgehenden 15. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts sehr geschätzt. Als ihr Erfinder wird häufig der Astronom und Instrumentenbauer Georg von Peuerbach (1413-1461) genannt.

Das deutsche Herstellungszentrum für Klappsonnenuhren war Nürnberg.Weitere Zentren waren Erfurt und Augsburg. Im europäischen Raum kommen Dieppe und Antwerpen hinzu.

Das hier vorliegende beinerne Modell  ist  anhand der Vergesellschaftung mit anderen Funden aus der Kloake etwa in das 17. Jahrhundert zu datieren.

Im historischen Kontext der Zeitmessung betrachtet, ist die Klappsonnenuhr ein Anzeiger für das steigende Bedürfnis nach individueller Zeitmessung. Der Besitzer einer Klappsonnenuhr war nicht mehr auf die Kirchenglocken angewiesen und wurde selbst zum Herr über seine Zeit.

 

Jonathan Nekes