Die Abfallentsorgung war in vielen europäischen Städten ein allgemeines Problem, da der Abfall auf der Strasse landete, die zumeist von einer stinkenden Schlammmasse bedeckt waren. Lüneburg bildet hier bei keine Ausnahme.
Abfall beinhaltet hier sowohl alltäglichen Abfall (z.B. Speisereste, Urin und Kot) als auch Produktionsabfälle jeglicher Art.
Zu beachten sei hierbei, dass die mittelalterliche Bevölkerung keine „Wegwerfgesellschaft“ war, denn fast alles wurde so lange verwertet bis man definitiv keinen Nutzen mehr aus dem Gegenstand ziehen konnte. Beispielsweise seien hier die Nutztiere zu nennen, die bis zum letzten Knochen (u.a. Knöpfe, Kämme und Seife) ausgenutzt wurden.
Die Abfallentsorgung gestaltete sich immer schwieriger, da sich die Dörfer zu Städten entwickelten und somit auch die Masse an Abfall und Fäkalien immer größer wurde.
Krankheiten hatten in den Städten des Mittelalters einen hohen Stellenwert, weil es zunächst keine städtische organisierte Abfallentsorgung und Wasserversorgung gab. Dieses ist eigentlich nicht erklärbar, da schon die Römer bewährte Abfallent- und Wasserversorgungssysteme, auch in deutschen Städten, einführten.
Die Abfallentsorgung im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit, stellte sich zumeist so dar, dass die Abfälle direkt auf der Strasse landeten und so zum Problem der Allgemeinheit wurden.
Um diesem wilden und unhygienischen Mülltreiben entgegen zu wirken, erließen die Stadtväter die unterschiedlichsten Gesetze, Verordnungen und Erlässe, die sowohl Strafen als auch Innovationen zur Folge hatten.
Eine Möglichkeit der Abfallentsorgung sind die Kloaken, die privat und auch städtisch errichtet wurden. Die Kloaken lassen sich in verschiedene Typen gliedern.
Typ 1: Einfache ausgehobene Erdgrube (keine Verschalung)
Typ 2: Erdgrube mit Rutengeflecht verstärkten Wänden
Typ 3: lose mit Brettern verschalte Erdgrube
Typ 4: fest mit Brettern verzimmerte Erdgrube
Typ 5: lose mit Steinen verschalte Erdgrube
Typ 6: fest aus Steinen gemauerte verschalte Erdgrube
Typ 7: die Fasskloake, besteht aus alten aufeinander gestapelten Fässern
Die unterschiedlichen Bauformen und die daraus resultierenden Kosten, sowie der Inhalt geben dem Archäologen die Möglichkeit mehr über die Besitzer und dessen Stand in der Gesellschaft zu erfahren.
Julia Niethes und Lars Gewert