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Miniaturgefäße

Gefäße, die durch ihre extrem geringe Größe aus dem üblichen Formenspektrum hervorstechen, finden sich vom Neolithikum bis in die Neuzeit.

Für diese Kleingefäße gibt es fast so viele Deutungen wie Bearbeiter, was sich schon alleine aus der großen Formenvielfalt und den tausenden von denkbaren Nutzungsmöglichkeiten ergibt. Da die Objekte außerdem über eine riesige zeitliche wie räumliche Spanne hinweg vorkommen, kann eine Interpretation des Verwendungszweckes immer nur auf konkrete Objekte bezogen sein und nicht pauschal für alle je gefundenen Miniaturgefäße vorgenommen werden. Immerhin ist anzunehmen, dass den Miniaturgefäßen aus den Gräberfeldern Ägyptens (um 2700/2600 v.Chr.) wohl eine andere Bedeutung anhaftete als dem stark verkleinerten Porzellannachttopf aus einem Lübecker Brunnen des 19.Jhds.

 

Mögliche Deutungen der winzigen Behältnisse reichen von einer Nutzung für wertvolle Flüssigkeiten (wie Alkohol) oder Pasten (wie Salben) zu schlichtweg dekorativen Objekten (ähnlich z.B. unseren heutigen Sammeltassen) und über religiöse Motive wie der indogermanischen Vorstellung durch Nachbildungen könnten die wirklichen Gegenstände herbeigezaubert werden zu der Interpretation als Kinderspielzeug. Daneben werden einzelne Funde wie die mittelalterlichen Kleintöpferwaren aus Salzwedel und Clausthal-Zellerfeld auch als Bauopfer gedeutet. Auch aus Norddeutschland sind zahlreiche Miniaturgefäße in den unterschiedlichsten Formen bekannt.

 

Die für die Interpretation verwendeten Kriterien können stark variieren, im Allgemeinen ist jedoch zunächst der Fundort entscheidend für die Frage ob man die Miniaturen eher einem sakralen oder profanen Kontext zuordnet, da es z.B. für Objekte, die wie in unserem Fall in einer Kloake aufgefunden wurden, eher unwahrscheinlich ist, dass ihre Besitzer ihnen magische Eigenschaften zusprachen. Desgleichen sind Miniaturgefäße aus dem Grab eines Erwachsenen kaum als Spielzeug zu deuten u.s.w. Danach gilt es festzustellen ob die Objekte Gebrauchsspuren aufweisen, was für Kinderspielzeug stark anzunehmen wäre, während bei dekorativen oder heiligen Objekten wenn überhaupt nur geringe Nutzungsspuren vorhanden sein dürften. Ebenfalls ein wichtiger Gesichtspunkt für die Deutung ist die praktische Nutzbarkeit der Objekte. So dürfte man von Gefäßen die bestimmt waren Flüssigkeiten oder Salben aufzubewahren erwarten, dass sie vor allem innen glasiert waren um das Eindringen der Wirkstoffe in den Ton zu verhindern, während dies bei Kinderspielzeug, dekorativen oder sakralen Objekten keine Bewandtnis hat. Die als Bauopfer gedeuteten Miniaturen aus Clausthal-Zellerfeld und Salzwedel sowie weitere Kleingefäße die in dieser Richtung interpretiert werden, gelangten alle unzerstört in den Boden, so dass dies auch als Kriterium angesehen werden kann. Zu guter Letzt geht man davon aus, dass Miniaturgefäße die als Kinderspielzeug interpretiert werden Verkleinerungen des Formenspektrums der Gebrauchskeramik, also Imitationen der Erwachsenenwelt, darstellen.

 

Werfen Sie mit diesen Kriterien bewaffnet nun doch mal einen prüfenden Blick auf unsere "Kloaken-Miniaturen".

 

Astrid Slizewski