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Tischkultur

Im Verlauf der Frühen Neuzeit bildete sich eine neue Esskultur heraus. Die Einführung von Tischsitten sowie die Verwendung von Ess- und Trinkgeschirr vollzogen sich zunächst in den Häusern der Oberschicht und dienten als Abgrenzung zum einfachen Volk. Die Verlagerung des gemeinsamen Mahls von der Küche in ein separates Speisezimmer unterstützte einen festlichen Charakter bei Tisch. Dem Essen sollte somit alles Raue und Derbe genommen werden. Die Benutzung von Tischtuch, Serviette, Teller, Gabel und Trinkglas trugen im Wesentlichen zu dieser Entwicklung bei.

 

In der untersuchten Kloake zeugt verschieden dekoriertes Ess- und Trinkgeschirr von diesem Wandel. Neben Tellern und Schüsseln der so genannten Weserware zählen Teller nach Art der Werraware, mit einfachem Malhorn-, Flämmchen- oder Stempeldekor zu den geborgenen Objekten. Ein als „Sauciere“ interpretiertes Gefäß sowie Gläser mit Emailbemalung unterstreichen einen gehobenen Charakter zu Tisch. Siegburger Steinzeug und Steinzeug nach Westerwälder Art vervollständigen das Tafelensemble.

 

Zwei Datierungen weisen auf eine Verwendung des Ess- und Trinkgeschirrs in der zweiten Hälfte des 17. Jh. hin. In diesem Zeitraum zählten Irdenware, Steinzeug und Glas zum festen Bestandteil frühneuzeitlicher Haushalte, wie der Einblick in zeitgenössische Haushaltsinventare in Lüneburg bestätigt.

 

Tanja Gissel