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Irdenware

In der zweiten Hälfte des 16. Jh. wurde das so genannte Malhorndekor populär. Im unteren Werra- und Weserraum entstand eine hochwertige, mit dem Malhorn farbig verzierte, bleiglasierte Irdenware, die sich überwiegend aus Tellern, Schüsseln und Schalen zusammensetzte und auf dem Schiffwege über weite Strecken verhandelt wurde.

 

Die Werraware stellte einen ersten Höhepunkt in der frühen Gestaltung der Malhornware dar. Kennzeichnend sind eine cremefarbene Malerei auf rotbraunem Grund sowie das sorgfältig ausgearbeitete Zentralmotiv. Biblische Szenen, Personen in reicher Renaissancetracht, Pflanzen, Tiere, Wappen, Jahreszahlen und Detaillierungen in Ritztechnik bestimmten das Dekor. Diese qualitativ hochwertige Ware wurde vermutlich als Tafelgeschirr verwendet und zu besonderen Anlässen verschenkt.

 

Neben der Werraware stellte die Weserware ein begehrtes Gebrauchsgut der Renaissance dar. Die beliebte Massenware, die im Gebiet zwischen Weser und Leine hergestellt wurde, wies einen ähnlichen Produktionszeitraum und ein vergleichbares Verbreitungsgebiet auf. Kennzeichnend sind ein einfaches geometrisches Dekor sowie Vogel-, Hirsch- und seltener Personendarstellungen. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. zeugen Marmoreffekte und Flämmchendekore auf hell bemaltem Grund aus dem Raum Hannoversch Münden von einem gewandelten Geschmack.

 

Die Irdenware aus der Kloake "Bei der St. Johanniskirche 19" deutet insgesamt ein breites Spektrum aus norddeutschen Produktionsstätten an. Farbig verziertes Geschirr stellte offensichtlich ein beliebtes Gebrauchsgut in Lüneburg in der zweiten Hälfte des 17. Jh. dar. Verschiedene Dekore weisen auf einen vielfältigen Geschmack in dieser Zeit hin.

 

Tanja Gissel 

 

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